„Christus ist glorreich auferstanden vom Tod. Sein Licht vertreibt das Dunkel der Nacht“, sprach Stadtpfarrer Dr. Kazimierz Pajor als er auf dem in abendliche Finsternis gehüllten Kirchplatz von St. Josef die Osterkerze segnete.

   

Das Ostertriduum, das aus liturgischer Sicht als eine Feier, beginnend am Gründonnerstag und endend in der Osternacht, begangen wird, stellt für die Gläubigen den Zenit im Kirchenkalender dar.

Die Liebe Jesu in Form von Brot und Wein, also seines Leibes und Blutes, feierte die Pfarrei in der Messe des letzten Abendmahls am Gründonnerstag. Eindrucksvoll zelebrierte Stadtpfarrer Dr. Kazimierz Pajor die Meßfeier und brachte mit einer anschaulichen Leinwandpräsentation den anwesenden Kommunionkindern und Firmlingen die Bedeutung des fünften Tages der Karwoche, als Gedächtnistag des letzten Abendmahls und der damit verbundenen Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus näher. Im Anschluss an den Gottesdienst folgten die Übertragung und Anbetung des Allerheiligsten, die mit Unterstützung von Mitgliedern des Pfarrgemeinderates gestaltet wurde.

Den Todestag Christi, den Karfreitag, beging die Kirchengemeinde mit einem frühmorgendlichen Kreuzweg am Kalvarienberg und einem anschließenden Kinderkreuzweg im Pfarrheim. In der Karfreitagsliturgie standen am Nachmittag Lesungen und die Leidensgeschichte Jesu im Mittelpunkt der Feier. Nach Pajor stehe das Kreuz als Zeichen für Leid und Tod, andererseits spende es Trost, gibt Kraft und Hoffnung und steht für Licht und den Neuanfang.

Am letzten Tag des sogenannten Triduum Sacrum begann die festliche Osternachtsfeier am Kirchplatz mit der Segnung des Osterfeuers und der Entzündung der Osterkerze. Pfarrgemeinderatssprecher Dr. Thomas Frisch zog im Anschluss an die Lichtfeier mit der Osterkerze und den liturgischen Diensten in die dunkle Kirche ein. „Lumen Christi“ rief Pfarrer Pajor und die Kirchengemeinde erwiderte mit einem kräftigem „Deo gratias“. Dabei nahmen die Gläubigen dankbar das Feuer für die eigene Osterkerze entgegen, worauf nach und nach sanfter Kerzenschein die Kirche erhellte.

„Dies ist die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg“ hieß es im feierlichen Exsultet, welches vom Kantor Peter Hausner vorgetragen wurde.

In den Lesungen berichteten Holger Adam, Birgit Kastner, Thomas Frisch und Peter Hausner aus dem alten und dem neuen Testament, von der Schöpfungsgeschichte über den Exodus der Israeliten aus Ägypten und dem Buch des Propheten Ezechiel bis zum Römerbrief des Apostel Paulus, ehe sich nach dem feierlichen Gloria die seit Gründonnerstag verstummten Kirchenglocken und Orgel festlich zurückmeldeten und das Gotteshaus wieder erhellt wurde.

„Die Auferstehung Christi ist ein Ereignis in der Geschichte, aber ein Ereignis, das den Raum der Geschichte sprengt und über sie hinausreicht.“

Dieser Satz bildete die Kernaussage der österlichen Predigt. Zur Einstimmung auf das Thema, zeigte der Geistliche mittels Beamerprojektion zahlreiche künstlerische Darstellungen von Begegnungen des auferstandenen Sohn Gottes mit seinen Jüngern oder anderen Zeitzeugen. Auf diese Weise entstand das Osterbekenntnis: „Der gekreuzigte Jesus ist auferstanden. Er lebt!“. Jedoch ist Christus trotz seiner Leibhaftigkeit nicht wieder in sein voriges irdisches Leben zurückgekehrt. Sein Körper befindet sich in der Sphäre des Göttlichen und Ewigen. Ähnlich einem radikalen „Mutationssprung der Leiblichkeit“ wird die Materie selbst in eine neue Wirklichkeitsweise umgebrochen. Diese neue Existenz, welche die Wissenschaft noch nicht kennt, ist nicht mehr dem Gesetz des „Stirb und Werde“ unterworfen. Nach der Interpretation Pajors beschreibt eines der neuen Kirchenfenster im Altarraum „das Wesen der Auferstehung“ auf besondere Weise, weil der Künstler hier im Gegensatz zu den anderen Inszenierungen versucht, den Augenblick der Auferstehung selbst zu erfassen. Als bis dahin unbekanntes Phänomen beschreibt Jesu Auferstehung eine neue Dimension des Menschseins und hat auf diese Weise eine Fußspur in der Geschichte hinterlassen, weil sie uns allen eine neue Zukunft eröffnet, mit Seele und Leib bei Gott sein zu können.

Am Ende segnete Pfarrer Pajor die mitgebrachten Speisen und dankte zum Schluss allen Ministranten und Helfern, die zum Gelingen der Feierlichkeiten anlässlich der Karwoche beigetragen haben. Allen voran der Mesnerin Petra Lankes und Christine Loders. Auch in diesem Jahr fand wieder die sogenannte „Ostereiaktion“ der Minis statt. Um Menschen eine Freude zu bereiten, hatten die Messdiener zuvor in einer Gruppenstunde Eier gefärbt, aufwendig verziert und mit den Telefonnummern von ausgewählten Pfarreimitgliedern versehen, welchen es nicht möglich war, das Osterfest in der Kirche zu feiern. Jeder Besucher erhielt nach dem Gottesdienst ein Ei und somit die Möglichkeit, Ostergrüße zu verbreiten.

V.S.